Mittwoch, 13. Januar 2016

love life - wenn Götter sterben


werden sie unsterblich  - oder so.

zumindest dachte ich das immer. Mein Vater war großer Fan von Elvis Presley. Seine Platten nudelten in meiner Kindheit rauf und runter ( also, was verfügbar war und neben den anderen Superstars wie Miles Davis und Co.). Elvis starb bekanntlich am 16.08.1977 - das weiß ich so genau, weil mein Vater am 16.08. Geburtstag hat und ich in diesem Jahr geboren wurde. Da sitzt man also am Kaffeetisch und dann kommen über das Radio selbst in den tiefsten Osten die Nachrichten zum Tod des Superheldens. Ich stellte mir das als Kind immer irgendwie komisch vor - traurig. unendlich traurig. Aber niemand in meiner Familie kannte Elvis schließlich persönlich, also wird der Kaffee wohl noch zu ende getrunken und der Kuchen zu ende gegessen worden sein....

Dann kam ich auf ein Internat im Südschwarzwald (gruselig - einfach nur gruselig). Und da gab es in meinem Flur ein Mädchen, das hatte eine unglaublich große Schwäche für David Bowie. Sie spielte Major Tom rauf und runter. Wir hörten das Lied an die 40 mal hinter einander bis irgend jemand den Stecker zog, weil es niemand mehr ertragen konnte. Anfangs spulte sie das Lied beständig zurück (also auf Kassette - da macht man das so, wenn man ein Lied noch mal hören will. Das dauert dann ein paar Sekunden ... ich sag es nur.) Später lieh sie sich ein zweites Kassettengerät von einem Kumpel und sie überspielten auf eine Kassette Major Tom bis die Kassette auf A und B Seite mit dem Lied voll war. Von da an hörten wir das Lied vom Aufstehen bis zum Sonnenuntergang - lediglich unterbrochen von den paar Sekunden, die es braucht, eine Kassette umzudrehen. Das hatte was von Folter. Später kam Heroes dazu und dann gab sie andern Künstlern mal die Möglichkeit zu singen.  Aber mal unter uns: es war David Bowie. Und wäre es nicht Bowie gewesen, wer weiß, vielleicht hätte ich in einer Nacht und Nebel Aktion sowohl Kassetten als auch Gerät zerstört.

Aber es war David Bowie und seine Musik war meine Sprache. Also konnte ich mal schweigen, nachdenken. David Bowie war ein Superheld für mich, einer der ganz großen Künstler, einer der ganz großen Musiker! Ich weiß nicht, wie oft ich Ziggy Stardust gehört habe. Weil ich die Platte nicht kaufen konnte, saß ich Wochenlang vor dem Kassettengerät in der Hoffnung, ein Radiosender würde mal so freundlich sein, eines seiner Lieder zu spielen. Mit Ziggy habe ich ganz besondere Erinnerungen. Erinnerungen, die ein Leben - also mein Leben - geprägt haben.

Vorgestern sitze ich also beim Kaffee und beginne meine Arbeit. Und da ploppt diese Nachricht auf: David Bowie ist tot.

Und nun zurück zum Anfang. Ne, den Kaffee konnte ich nicht zu Ende trinken. Und auch der Kuchen war mit einem Mal widerlich! Und der Tag war auch vorbei..... 10.01.2016 .. dabei kannte ich den Mann gar nicht - ich kenne nur meine Erinnerungen, die mit seinen Liedern verbunden sind und die immer wieder aufploppen, wenn ich eines der Lieder höre. Und es sind nicht meine Erinnerungen allein, es sind die von so vielen anderen Menschen - von tausenden Menschen und deren Erinnerungen .... macht: also doch unsterblich!

1 Kommentar:

  1. Ohhh, ich kann dich gut verstehen. So gehen sie dahin, die Helden, mit denen wir groß geworden sind.

    David Bowie, Alan Rickman... Und es kommen all die Erinnerungen hoch - von schönen, von traurigen Momenten. Wie schön, dass es aber all diese Erinnerungen gibt und dass - wie du es schreibst - es genau diese sind, die unsere Helden - egal ob diese prominent, aus der Familie, dem Freundeskreis oder der Nachbarschaft sind - unsterblich werden lässt.
    R.I.P. all of you! ♥

    LG Anni

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