Mittwoch, 7. Oktober 2015

Mittwoch - love life - über das Glücklichsein

Im Studium war die Frage nach dem Glücklichsein zentral. Ich habe viele Abhandlungen gelesen und philosophiert, theoretisiert und nach gedacht. In guten Momenten sehe ich die Kinder und weiß Bescheid.

Sie haben die Fähigkeit noch, im Augenblick vollkommen aufzugehen, die Welt herum zu vergessen, nur an das zu denken, was gerade und unmittelbar vor ihnen liegt. Sie arbeiten vollkommen versunken, mit roten Backen. Das kleinste Kind zum Beispiel vergisst alles um sich herum, wenn es eine Kiste zum aus- und eine Kiste zum einräumen hat. Backförmchen zum Beispiel.

Die größeren Kinder brauchen da schon ein wenig mehr Unterhaltung bzw. Vorbereitung. Teig zum Beispiel - aus dem Plätzchen werden können oder Holz, das beschnitzt zu kleinen Gabeln oder einfachen Gebilden wird.

Auch im Spiel vergessen sich die Kinder, werden ganz Teil des Spiels, Teil des Augenblicks. Du bist der Drache und ich bin die Fee - ja?! und wenn ich dann um die Ecke komme, dann wärest du erschreckt - im Spiel?! ja ?!

Ein wenig ist es so, als wüssten Kinder instinktiv, dass sie eine Verpflichtung dazu haben, glücklich zu sein. Eine Verpflichtung, die wir Erwachsenen immer wieder vergessen. Wir regen uns auf über die anderen Autofahrer, das Leben anderer Leute, über die Ideen, die andere Menschen haben, über das Essen aus der Kantine, über die miserablen Zustände des Urlaubsortes etc. Und dann gehen wir in den Supermarkt und treffen eine Bekannte, die uns zwischen Nudeln und Einmachgurken erzählt, dass ihr Mann an einem Herzinfarkt verstorben sei - einfach so, eines Morgens - 4 gehen ins Bett - drei wachen auf... hat sie gesagt. Ich trolle mich beschämt, weil ich genölt habe über die alltäglichen "Sorgen", über die sie froh war zu hören, weil sie so alltäglich waren.

Glücklich sein ist an sich nicht schwer, wenn man nicht vergisst zu leben, ein - und auszuatmen und manchmal einfach eine Kiste ein-und wieder ausräumt - Fotos zum Beispiel. 

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