Mittwoch, 18. Februar 2015

Mittwochsgedanken


Gestern habe ich auf SWR2 eine Buchvorstellung gehört. Es ging um eine Streitschrift. Eine Streitschrift, die gerne provozieren wollte - mit dem Thema Feminismus. Die Autorin mag keine Kinder haben und sie fühlt sich in der Gesellschaft wegen dieser Einstellung benachteiligt, bevormundet und unter Erklärdruck. Sie findet, dass sich das dringend ändern muss. Dass es Frauen zugestanden werden muss, keine Kinder zu wollen und deshalb nicht schief von der Seite angeguckt oder benachteiligt zu werden.

Was habe ich mich aufgeregt. Sicher hat sie Recht, wenn sie sagt, dass man einen Mann nicht fragt, warum er keine Kinder haben möchte. Aber worum geht es hier bitte? Eine Streitschrift, die uns Frauen weit ins Jahr 1970 zurückwirft. Die Frage nach dem sollte man überhaupt Kinder haben und wenn ja, wann und wenn ja, wie viele.. Die Frage mit nein zu beantworten - all das gehört in den Bereich privates.

Ich dachte, wir hätten das hier hinter uns gelassen. Ich dachte, wir Frauen könnten uns endlich darauf besinnen, wie wir zusammen stehen. Jede nach ihren privaten Interessen und Wünschen ohne politischen oder privaten Überbau, ohne selbst entworfene Religionen, die wir vor uns hertragen und von denen wir erwarten, dass andere Frauen sie übernehmen. Ich dachte, wir könnten uns endlich darauf konzentrieren, wie wir alle ein Leben in einer funktionierenden Gemeinschaft leben können.

Papas gehen zum Kinderarzt - das ist super. Reicht aber nicht. Papas bleiben zu Hause, um 2 Monate länger Erziehungsgeld zu bekommen - das ist super, reicht aber nicht. Wer fängt Familien und vor allem uns Frauen auf, wenn die Kinder krank sind, wenn sie Schulferien haben, wenn Brückentage sind, wenn die Schulen spontan wegen Krankheit 3 Tage schließen? Wer sorgt endlich dafür, dass Frauen, die zu Hause bleiben Rente bekommen, nicht von der Seite schief und als konservativ angesehen werden. Hier sind Antworten und vor allem Streitschriften gefragt und nicht, ob Frau Kinder bekommt oder nicht. Das ist eine Frage der Vergangenheit. Und übrigens schon lange beantwortet.

Jetzt geht es um die Frage der Allgemeinheit, gesellschaftliche Fragen: wie können Frauen/Familien unterstützt werden, damit Frauen ebenso arbeiten gehen können wie Männer, damit ihre Karrieren nicht brechen, damit sie nicht auf Oma oder Opa oder Kindermädchen zurückgreifen müssen. Wo sind die flexiblen Jobzeiten? Wo sind die Frauen, die nicht die Augen verdrehen oder ausrufen Ach herrje 5 Kinder, wenn ich sage, wie viele Kinder ich habe. Ich weiß nicht, wie oft ich mich "rechtfertigen" musste, erklären musste, warum das hier mein Weg ist, warum mein Weg für mich ein sehr guter - der einzig richtige Weg ist.

Ihr seht, ich rege mich immer noch auf. Vielleicht publiziere ich ja auch mal eine Streitschrift, in der ich die Gesellschaft auffordere mir vorurteilsfrei zu begegnen, mir nicht mein Hirn abzusprechen, mir meine Arbeit als Arbeit anzuerkennen... so, ne, jetzt muss ich Essen kochen...

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